In Vollendung

Klappentext

Sie fotografiert den Schmerz. Jetzt wird ihre Kunst zur tödlichen Realität.

Die Fotografin Mia Seiler zeigt in ihren Bildern das, was andere lieber verbergen: psychische Leiden, chronische Schmerzen und unsichtbare Narben.

Als der Galerist Marc Berghoff auf ihre Arbeiten aufmerksam wird und ihr eine Ausstellung ermöglicht, ahnt Mia nicht, dass diese Begegnung ihr Leben für immer verändern wird.

Doch kurz nach der Vernissage wird die zwölfjährige Marta López ermordet aufgefunden. Ihre Leiche wurde nach dem Vorbild eines von Mias Porträts arrangiert. Neben dem Opfer steht ein Galerieschild mit Mias Namen.

Die Kriminalhauptkommissare Frank Kessler und Erik Wagner übernehmen die Ermittlungen. Je tiefer sie in den Fall eintauchen, desto häufiger fällt Mias Name. Und je mehr sie über den Täter herausfinden, desto enger scheint die Verbindung zwischen ihm und der Fotografin zu werden.

Mia selbst kann sich nicht erinnern, was in der Nacht des Mordes passiert ist.

Ist sie das Ziel eines besessenen Mörders?

Oder ist sie selbst die Täterin?

Eigene Meinung

Heilige Scheiße! Aber so richtig.

Die Frage, wie krank man im Kopf sein kann, beantwortet Sabrina Pesch mit einem eindeutigen und ziemlich lauten Ja. Und das auf eine verdammt gute Weise.

Schon die Ausgangslage hat es in sich: Morde, die nach den Fotografien einer Künstlerin arrangiert werden, und eine Frau, die sich nicht einmal sicher sein kann, was in der Nacht des ersten Mordes tatsächlich passiert ist. Doch das ist längst nicht alles, was diesen Thriller so fesselnd macht.

Da wären zunächst die beiden Ermittler Frank Kessler und Erik Wagner. Keine Hochglanz-Magazin-Cover-Ermittler, die mit perfekt sitzender Frisur und übermenschlicher Kombinationsgabe durch die Gegend laufen. Nein, hier haben wir zwei Männer, die schon zu viel gesehen haben, ihre eigenen Baustellen mit sich herumtragen und sich definitiv von ihrem Beruf abgrenzen müssten. Funktioniert bei beiden nur semigut. Aber hey: Sarkasmus regelt.

Daneben steht Mia. Eine Künstlerin, deren psychische Verfassung mit einer solchen Liebe zum Detail und einer solchen Intensität beschrieben wird, dass ich ihren Schmerz nicht nur nachvollziehen, sondern stellenweise regelrecht fühlen konnte. Das ist keine oberflächliche Darstellung, sondern eine, die mich wirklich erreicht hat. So etwas zu schreiben, erfordert entweder verdammt viel Recherche oder ein tiefes Verständnis für die dargestellte Erkrankung. Vielleicht auch beides.

Und dann ist da noch die Geschichte selbst. Sabrina Pesch schickt ihre Leser immer wieder auf falsche Fährten, ohne dafür ständig mit dem Holzhammer winken zu müssen. Jeder ist verdächtig. Jeder könnte ein Motiv haben. Und die Gründe, die hinter den Morden stecken, sind teilweise von einer dermaßen verstörenden psychischen Abgründigkeit, dass man sich fragt, was im Kopf eines Menschen eigentlich alles passieren kann.

Man steuert auf ein Finale zu, das sich immer weiter zuspitzt – und dann wird man mit voller Wucht erwischt. Denn DAS habe ich wirklich nicht kommen sehen. Ernsthaft: Schon von der ersten Seite an ist diese Geschichte krank, verstörend und faszinierend. Aber das Finale setzt dem Ganzen noch einmal die Krone auf.

Was das Ganze zusätzlich erschreckend macht: Vieles fühlt sich unangenehm realistisch an. Und genau das verleiht der Geschichte noch mehr Horror. Es ist diese Mischung aus psychologischer Abgründigkeit, menschlichen Abgründen und einer Handlung, die einen einfach nicht loslässt.

Ich konnte das Buch irgendwann nicht mehr aus der Hand legen. Es ist absolut fesselnd, verstörend und hat mich mit seinem Finale ziemlich sprachlos zurückgelassen.

Bitte mehr davon!