Wenn du nicht passt

Klappentext

Du passt, wenn du das strikte moralische Regelwerk der Regierung befolgst. Doch welche Strafe erwartet dich beim Verstoß?

Die regierende Partei etabliert mit der Werteordnung einen Satz konservativer Regeln, die für jeden Lebensbereich das korrekte Verhalten festlegen. Frauen opfern sich für Familie und Haushalt, während Männer gefühllos funktionieren und anführen. Wer abweicht, verstößt gegen die Moral und wird hart bestraft. Reny Emmerich rebelliert wiederholt gegen diese Normen, weshalb sie auf eine Werteschule geschickt wird. Der Schuldirektor Jakob Hoffmann leitet dieses Umerziehungslager jedoch mittels Angst, Unterdrückung und Gewalt. Reny wehrt sich gegen das System, doch erfährt dadurch vom Schicksal jener Menschen, die nicht in die werteordnungskonforme Gesellschaft passen.

Wie schafft es die prä-diktatorische Regierungspartei, einen Satz inoffizieller Regeln durchzusetzen? Welche Strafen erwarten jene, die sich der Werteordnung nicht beugen? Kann Reny ihre Rebellion aufrechterhalten oder wird auch sie sich fügen müssen, um eine Katastrophe abzuwenden?

Eigene Meinung

Scheiße. Wirklich. Also im Sinne von: verdammt, ich hasse und liebe die Autorin für dieses Buch. Zwischendurch hätte ich Jennifer Fortein am liebsten geschüttelt und gefragt, ob sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank hat. Denn dieses Buch war mir stellenweise einfach viel zu nah an manchen Forderungen und an der Politik verschiedener aktueller Regierungen.

Und genau das macht diese Dystopie so erschreckend gut.

Jennifer Fortein erzählt keine Geschichte, die irgendwo weit weg spielt, in einer fernen Zukunft oder in einem fiktiven Land. Sie erzählt einen Albtraum, der sich erschreckend nah anfühlt.

Denn „Wenn du nicht passt“ spielt in Deutschland.

Wir begleiten Renate Emmerich, genannt Reny, durch etwa ein Jahr ihres Lebens. Kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag wird sie in eine sogenannte Werteschule geschickt – weil sie zu aufsässig ist. Sie liebt ihre Freiheit zu sehr, trägt lieber Hosen als Röcke und klettert lieber über die Dächer Berlins, als sich in die Rolle zu fügen, die für sie vorgesehen ist.

Der Zweck dieser Werteschulen ist ebenso simpel wie grausam: Jugendliche sollen gebrochen werden. Sie sollen lernen, sich der Werteordnung zu unterwerfen – einem rund 800 Seiten langen Regelwerk, das jeden Lebensbereich kontrolliert.

Dabei wird besonders deutlich zwischen den Geschlechtern unterschieden. Mädchen lernen Haushalt und Kindererziehung, Jungen konzentrieren sich auf Sport, Wissenschaft und Karriere.

Mehr gibt es nicht.

Männer und Frauen – Ende der Geschlechter.
Sexuelle Orientierung – heterosexuell. Ende.

Wer sich nicht fügt, wer sich nicht anpasst, bekommt es mit den Hütern der Werteordnung zu tun.

Eindringlich und schmerzhaft erzählt Jennifer Fortein die Geschichte von Reny, ihrer besten Freundin Alex – einer Frau im Körper eines Mannes –, von Herrn Hoffmann, dem Direktor der Werteschule, und davon, was passiert, wenn man nicht ins System passt.

Dieses Buch zu lesen tat an vielen Stellen weh. Immer wieder fühlte ich mich an Forderungen politischer Parteien in Deutschland erinnert. An Regime weltweit. Und an die erschreckende Tatsache, dass Rechte niemals selbstverständlich sind.

Jennifer beschönigt nichts. Mehrmals war ich versucht, das Buch zur Seite zu legen und eine Pause zu machen, weil mich eine echte Beklemmung überkam. Diese Art von Angst, bei der sich unweigerlich die Frage stellt:

Was würde ich tun, wenn so etwas passiert?
Und vor allem: Kann so etwas wirklich passieren?

Diese Dystopie erinnert daran, wie wichtig Demokratie und Freiheit sind. Und sie zeigt am Leben von Reny und Alex, von Herrn Hoffmann, Konrad und den vielen anderen Jugendlichen, was passieren kann, wenn Angst und Zwang eine Gesellschaft bestimmen.

Wer Dystopien liebt, die erschreckend nah an der Realität sind, und lesen möchte, wie so etwas in Deutschland aussehen könnte, sollte dieses Buch unbedingt lesen.

Zum Abschluss einen Auszug aus der Werteordnung, Lebensbereich “Geltende Gesetze”, Abschnitt “Taten geringer Schuld”:
“Aus der Definition dieser gesellschaftlichen Moral ergeben sich einige Taten, deren Schuld geringer eingeschätzt werden muss, als es bisher der Fall ist. Insbesondere zählen hierzu alle Vergehen, die aufgrund natürlicher Triebe geschahen, wenn sie von sonst moralisch handelnden, anständigen deutschen Bürgern begangen wurden.”

Fakten

Titel: Wenn du nicht passt
Autor: Jennifer Fortein
Preis: Paperback 11,99€ / Ebook 3,99€ (derzeit in Kindle Unlimited)
Hier erhältlich: https://amzn.eu/d/0hG2RLwE