Klappentext
London, 1888
Jack the Ripper zieht blutige Spuren durch die Straßen Whitechapels. Aus purer Verzweiflung ersucht Scotland Yard die Hilfe von Edward Corby – seines Zeichens fähiger Magier und okkulter Ermittler.
Um den brutalen Serienmörder aufzuhalten, wird ihm gegen seinen Willen der junge Meisterdetektiv Andrew Abersteen zur Seite gestellt. Während Edward die Welt der Magie verkörpert, ist der hölzerne Abersteen ein Vertreter der Wissenschaft. Sie können einander nicht ausstehen, aber müssen wohl oder übel zusammenarbeiten, wenn sie den Schlächter stellen wollen.
Doch dieser Fall kratzt nur an der Oberfläche der magischen Londoner Finsternis und führt die Ermittler nicht nur an den Rand des Begreifbaren, sondern auch in die tiefsten Abgründe ihres Selbst.
Betritt das finstere viktorianische London – zersetzt von Dunkler Magie und grausamen Verbrechen.
Eigene Meinung
Wenn ein Fantasybuch mich so sehr abholt, dass ich völlig in seiner Welt verschwinde und alles um mich herum vergesse, dann weiß ich: Das hier ist gut. Wirklich gut.
Doch der Reihe nach.
Mit Edward Corby entführt uns Anja Weinhold in ein viktorianisches London voller Nebel, dunkler Gassen und noch dunklerer Geheimnisse. Und dort begegnen wir einigen Figuren und Motiven, die vielen Leserinnen und Lesern vermutlich vertraut vorkommen dürften. Der Protagonist Edward Corby selbst ist ein okkulter Ermittler – ein Mann, der sich mit Magie, Ritualen und den Dingen beschäftigt, die besser im Verborgenen bleiben sollten. Dabei erinnerte er mich in vielen Momenten ein wenig an Sherlock Holmes, was für mich persönlich schon ein verdammt guter Einstieg war, denn Holmes mag ich bekanntermaßen sehr gern.
Ihm zur Seite stehen nicht nur andere Magier, die ihre Fähigkeiten lieber im Hintergrund halten, sondern auch ein Kommissar von Scotland Yard. Und ja, mein innerer Fan hat sich sehr gefreut, als ich auf einen Charakter gestoßen bin, der stark an Lestrade erinnert.
Doch damit nicht genug, denn auch Andrew Abersteen tritt auf den Plan – ein privater Ermittler, der mit seiner nüchternen Art, seinem analytischen Verstand und seiner wissenschaftlichen Denkweise ebenfalls deutliche Sherlock-Holmes-Vibes versprüht. Dadurch entsteht sofort eine spannende Dynamik, denn während Edward die Welt des Okkulten verkörpert, steht Abersteen für Rationalität und Wissenschaft.
Diese Mischung aus Bekanntem und Neuem funktioniert erstaunlich gut. Weinhold nutzt vertraute Muster als Grundlage, um den Leser direkt abzuholen – und genau das hat bei mir perfekt funktioniert.
Der Auslöser der Ereignisse ist niemand Geringeres als Jack the Ripper. Seine grausamen Morde bilden den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Geschehnissen, die schnell deutlich machen, dass hinter diesen Verbrechen weit mehr steckt als nur ein gewöhnlicher Serienmörder.
Das Buch selbst ist in drei Akte unterteilt, und diese Struktur merkt man beim Lesen sehr deutlich. Nach dem ersten Akt hatte ich tatsächlich kurz den Gedanken, dass dieser Abschnitt auch gut als eigenständiges Buch hätte funktionieren können. Beim zweiten Akt hatte ich zunächst ein ähnliches Gefühl, doch hier beginnen sich die einzelnen Fäden langsam zusammenzuziehen. Neue, später wichtige Figuren betreten die Bühne, Hinweise verdichten sich und nach und nach wird klar, dass sich hinter all dem ein deutlich größeres und gefährlicheres Bild verbirgt.
Und dann kommt Akt drei.
Wenn ich sage, dass hier das große Finale beginnt, dann meine ich das genau so. Die ersten beiden Akte fühlen sich im Nachhinein fast wie ein langes Vorspiel an, denn im letzten Abschnitt zieht das Tempo massiv an, alle Handlungsstränge laufen zusammen und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse.
Und ganz ehrlich: Woah. Das war verdammt gut.
So gut sogar, dass ich regelrecht zusammengezuckt bin, als mein Mann mich plötzlich angesprochen hat. Entschuldigung, ich war gerade beschäftigt – irgendwo im viktorianischen London, mitten zwischen okkulten Ritualen und Monstern, die direkt aus den Albträumen von H. P. Lovecraft stammen könnten. Und ja, sie hatten Tentakel.
Überhaupt musste ich beim Lesen immer wieder daran denken, wie viel Spaß Lovecraft vermutlich an dieser Geschichte gehabt hätte. Die literarischen Einflüsse sind deutlich spürbar, ohne jemals plump zu wirken, und genau diese Mischung aus viktorianischer Detektivgeschichte, dunkler Magie und kosmischem Horror macht den besonderen Reiz dieses Buches aus.
Mehr als einmal hatte ich während des Lesens das Gefühl, dass gleich HBO oder Netflix an meine Tür klopfen und mir das Buch aus der Hand reißen wollen, um daraus eine Serie zu machen. Und ehrlich gesagt: Ich sehe das absolut vor mir. Drei Staffeln. Für jeden Akt eine.
Edward Corby ist daher eine klare Empfehlung für alle, die Dark Fantasy lieben – besonders dann, wenn sie sich irgendwo zwischen Sherlock Holmes, okkulten Ermittlungen und Lovecraft’schem Horror bewegen darf.
Fakten
Titel: Edward Corby – Erwachen
Autor: Anja Weinhold
Preis: Taschenbuch 17,90€/Ebook 6,99€
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